Zwischen Vollmaskierung, Hochglanzmode und Freizeitlook

Abiturientinnen präsentieren beeindruckende eigene Kreationen  

Gardinen, Federn, Frischhaltefolie, Tischdecke, Draht, Styropor - die Liste der Unterrichtsmaterialien ist lang. Abgetragene Kleidung kam noch hinzu, etwa eine ausgediente Strumpfhose, eine Bluse von gestern oder ein Kleid der Schwester, das „sowieso weg sollte“. Im Stoffplan für das Abitur 2017 im Leistungsfach Kunst heißt es nur kurz und knapp "Kleidung - Botschaften zwischen Avantgarde und Alltagstauglichkeit". Neben ästhetischen und funktionalen Aspekten sollte es auch um ökologische Fragen gehen. Nun haben die angehenden Abiturientinnen die Ergebnisse ihrer Arbeit unter dem Motto "Körper Haut Hülle" im Forum der Schule einem großen Publikum präsentiert.

Als Ehrengast konnte Moderatorin Josephine Strauß den Modedesigner Thomas Hill aus Köln begrüßen. Er hatte der Gruppe von Petra Thürnau bei mehreren Workshops - ganz ohne Honorar - mit Rat und Tat zur Seite gestanden und zeigte sich nun sichtlich zufrieden mit den Ergebnissen. Gastmodel Jonne Grein ließ das Publikum über eine futuristisch anmutenden Vollmaskierung staunen, für die Alina Konieczny verantwortlich zeichnet. Von der Haut ist nur noch die Netzhaut geblieben - ein Politikum eigener Art. Designerinnen wie Ann-Cathrin Hein, Insa Ewen, Louisa Bänsch und Sophia Hering schritten selbst über den Laufsteg, um ihre wagemutigen Kreationen zu präsentieren, sicher im Schritt, kühn, kess oder unterkühlt in den Posen. Gintare Linkeviciute, Caroline Hannemann und Josephine Strauß gingen als Models für Blerina Dormishi, Charlotte Hannemann, Celine Kaiser und Zoe Pape zu passender Filmmusik ins Rennen.

Zur Werkschau gehörten auch individuelle Informationen über den Gestaltungsprozess – von ersten Inspirationen bis zum fertigen Produkt. Den Mitwirkenden war anzumerken, dass der Spaß nicht zu kurz gekommen war bei der Arbeit, auch nicht beim Nähen, Kleben, Falten, Färben, Hämmern und Heften. „Wiederverwenden statt Wegwerfen!“, das wäre als Parole noch zu eng gefasst, geht es hier doch auch um Phantasie, Selbstinszenierung und Freiheitsgrade. Den großen Applaus und die anerkennenden Worte von Schulleiter Michael Pavel dürfen die Schülerinnen als Ermutigung sehen, mit ausgefallenen Outfits nicht erst bis zu den „Motto-Tagen“ im März zu warten. Den Erziehungsberechtigten rief Markenmann Hill am Ende denn auch zu: „Lasst die Leinen locker!“   

Volkmar Heuer-Strathmann