Als das Lesen der Romantiker noch geholfen hat...

Leihschein aus dem Jahre 1921 wieder aufgetaucht

Ein Referat über die Romantiker? Abiturvorbereitungen für den großen Besinnungsaufsatz? Private Studien eines empfindsamen Geistes? Man weiß es nicht.

Man hat nur den Leihschein aus dem Jahre 1921. Bibliotheksmitarbeiterin Annette Meier hat ihn gefunden. Ob die Bücher von Hermann Heidkämper zurückgegeben wurden, war noch nicht zu klären. Zu Schuljahresbeginn hat Christine Busch in der Bibliothek - und überhaupt - noch ein paar andere Kleinigkeiten zu erledigen. Aber sie will der Sache nachgehen.

Womöglich war der Ausleihende auch ein Lehrer, der bei der Unterrichtsvorbereitung etwas weiter ausholen wollte. Abiboxen, Arbeitsblattvorlagen und andere Krücken gab es noch nicht. Ob der lesende Lehrer die Regel war oder die Ausnahme, lassen wir offen. Die saubere geführte Handschrift lässt an einen reifen Pädagogen oder an einen untadeligen Zögling denken. Der Erste Weltkrieg hat die Hand nicht zittrig werden lassen.  

Wer gerne von der unbeschädigten deutschen Sprache der guten alten Zeit schwärmt, wird hier eines Besseren belehrt. Die "Bedingung unbeschädigter Rücklieferung" ist ein Unding. Aber man nominalisiert eben gern, wenn's streng sachlich wirken soll, eindeutig, knapp und unerbittlich.

Falls jemand den Weg weiß, der zu den Nachfahren des Adolfiners führt, der die Werke seinerzeit ausgeliehen hat, möge der Name und die Adresse den Mitarbeiterinnen in der Bibliothek mitgeteilt werden. Die sechs Wochen sind nämlich längst 'rum. Bei Nichtabgabe droht Bußgeld - nach 95 Jahren ein Vermögen!

Volkmar Heuer-Strathmann